Eine Rundreise durch Usbekistan – Von Zentralasien, Karawanen und der Seidenstraße

Gastbeitrag von Ulrike.

Du sehnst Dich nach einem besonderen Reiseland?
Heute stelle ich Dir Usbekistan vor!

 

Mit dem Bus geht es durch unendliche Landschaften, die Strecken zwischen den einzelnen Städten sind anstrengend und fordernd. Doch als wir auf dem gewaltigen Registan-Platz stehen und die riesigen Tiger-Mosaike bestaunen, weiß ich wieder, warum ich so gerne in unbekannte Länder abseits der typischen Touristenpfade reise.

Quelle: Google Maps

Eine Rundreise durch Usbekistan: Die Anreise

Uzbekistan Airways bietet Direktflüge von Frankfurt nach Taschkent an. Auch Lufthansa und Turkish Airlines bieten – meist mit einer Zwischenlandung in Istanbul – Flüge an. Gute Flugverbindungen gibt es auch zwischen Moskau  Taschkent, Samarkand und Buchara. Der internationale Flughafen von Taschkent liegt 10 Kilometer außerhalb der Stadt, von dort aus kann man mit Bussen und Taxis in die Stadt gelangen. Inlandsflüge zwischen Taschkent und anderen Großstädten in Usbekistan werden ebenfalls von Uzbekistan Airways geboten.

Wenn Du in Tashkent angekommen bist, kannst Du Deine Reiseroute durch Usbekistan fast vollständig mit dem Zug zurücklegen. Das Straßennetz in Usbekistan ist nicht gut ausgebaut, die wichtigste Straße verläuft zwischen Taschkent, Samarkand und Buchara. Wer an Usbekistan denkt, denkt auch sofort an die Seidenstraße: Viele Jahrhunderte lang war Usbekistan das wichtigste Durchgangstor von Europa nach China. Bei einer Reise entlang dieser alten Handelsroute erwarten einen prachtvolle Bauten in Buchara, Samarkand und Chiwa. Diese 3 Highlights stelle ich Dir nun vor!

Die Tilla-Kori Madrasa in Samarkand
Die Miri Arab Madrasa in Buchara

Währung und Sprache

Die Währung in Usbekistan heißt Sum (UZS); 1€ sind etwa 10.175 usbekische Sum (Stand Februar 2018). Usbekisch ist die am weitesten verbreitete Turksprache in Zentralasien. Weltweit gibt es etwa 27 Millionen Sprecher des Usbekischen, in Usbekistan sprechen fast alle 22 Millionen Usbeken Usbekisch als Muttersprache. Auch in Afghanistan leben heute etwa 3 Millionen Usbeken. Die afghanische Variante (Südusbekisch) der usbekischen Sprache wird mit dem arabischen Alphabet geschrieben, während die usbekische Variante (Nordusbekisch) heutzutage mit lateinischen Buchstaben geschrieben wird.

Schriftreformen

  • bis 1923 wurde in Usbekistan das arabische Alphabet benutzt
  • 1929 wurde das türkische Alphabet (lateinische Buchstaben) eingeführt
  • 1939 wurde ein angepasstes kyrillisches Alphabet eingeführt
  • nach 1989 sollte das arabische Alphabet wieder eingeführt werden, jedoch ohne Erfolg
  • 1995 beschloss die Regierung, das lateinische Alphabet ohne Zusatzzeichen einzuführen

Usbekisch lernen

  • Danke (usb. raxmat)
  • Bitte (usb. arzimaydi)
  • Entschuldigung (usb. kechirasiz)
  • Hallo (usb. salom)
  • Guten Tag (usb. assalomu alaykum)
  • Tschüss (usb. xayr)
  • Auf Wiedersehen (usb. ko’rishguncha)
  • Nein (usb. yo’q)
  • Ja (usb. ha)
Die Bibi Khanum Moschee in Samarkand
Die Chor Minor Moschee in Buchara

Kunst und Kultur in Usbekistan

Die Kultur Usbekistans ist bunt und unverwechselbar. Sie ist über Jahrtausende gebildet worden und hat die Traditionen und Bräuche der verschiedenen Nationen auf dem Gebiet des heutigen Usbekistan übernommen. Die größte Beeinflussung wurde von den alten Persern, Turkvölkern, Arabern, Chinesen und Russen ausgeübt. Die Traditionen des multinationalem Usbekistan spiegeln sich in Musik, Tanz, Kunst, Sprache, Küche und der Kleidung wieder.

Auch die Große Seidenstraße spielte eine wichtige Rolle in der Entwicklung der usbekischen Kultur. An der Seidenstraße wurden nicht nur Waren ausgetauscht, sondern auch neue Technologien, Sprachen, Ideen und Religionen. Musik und Musikinstrumente reisten in Karawanen nach Usbekistan, ebenso wie die Geheimnisse der Papierherstellung, die aus China kamen. Im Jahr 1991 erhielt Usbekistan seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion, was die schnelle Entwicklung von Handwerk und traditioneller Kunst und die Wiedergeburt der usbekischen Traditionen und Bräuche förderte.

Kunstvolle Moscheen
Die Tiger von Samarkand

Usbekistan: Geführt oder privat reisen?

Vorteile einer geführten Reise:

  • ortskundiger Guide
  • seine Sprachkenntnisse
  • organisierter Transfer

Vorteile einer privat organisierten Reise:

  • Flexibilität
  • Kontakt zur Bevölkerung
  • (bei guter Planung) finanzielle Ersparnisse
Der Bolo Haus Komplex in Buchara
Auf dem Land

Usbekistan: Good to know

  • Hygienestandard: ist in Usbekistan nicht mit dem europäischen zu vergleichen, für unterwegs kann man sich Toilettenpapier oder Taschentücher mitnehmen. Für europäische Mägen ist in Usbekistan die vielleicht größte Herausforderung das Trinkwasser, da vielerorts keine Kläranlagen existieren und man das Wasser daher nicht einmal zum Zähneputzen verwenden sollte
  • Trinkgelder: sind stets eine freiwillige Angelegenheit und nur zu bezahlen, wenn man mit dem Service zufrieden war (10 % sind üblich)
  • Klima: die beste Reisezeit liegt zwischen April und Juni und September und November
  • Essen: man sollte auf jeden Fall den Rat befolgen, nach dem Essen einen Wodka zur Verdauung zu sich zu nehmen
  • Sprache: mit Usbekisch und Russisch ist man in Usbekistan gut aufgestellt, Englisch ist weniger verbreitet
  • Bevölkerung: die Usbeken sind ein sehr (gast)freundliches Volk, wir haben uns als Tourist im Land immer sehr sicher und willkommen gefühlt
Der Shahi-Zinda Komplex in Samarkand
Eine Madrasa in Samarkand

Samarkand (Samarqand)

Samarkand („Steinerne Stadt“) hat etwa 355.000 Einwohner und kam durch ihre Lage an der Seidenstraße schnell zu Wohlstand. 329 v. Chr. wurde die Stadt durch Alexander den Großen erobert, 712 n. Chr. fiel sie an die Araber und damit endgültig unter muslimische Kontrolle. 1220 wurde die Stadt durch die Truppen Dschingis Khans erobert und zerstört. Der mongolische Herrscher Timur Lenk machte Samarqand 1369 zur Hauptstadt seines Großreichs und baute die Stadt zu einer der schönsten und bedeutendsten Metropolen seiner Zeit aus.

Highlights in Samarkand

  • der Registan-Platz mit der Sherdor Madrasa (Tiger-Mosaike)
  • die Bibi Khanum Moschee
  • das Mausoleum Gur-Emir
  • der Shahi-Zinda Komplex
Der Registan-Platz
Der Shahi-Zinda Komplex in Samarkand

Buchara (Buxoro)

“Überall in der Welt strahlt das Licht vom Himmel zur Erde.
Nur in Buchara strahlt es von der Erde zum Himmel.”

Buchara wird oft als “die schönste Stadt der Welt” bezeichnet. Die Mauern in Buchara sind farbig verziert, überall hängen glänzende grüne Kacheln. In türkisblau leuchten die Kuppeln der berühmten Moscheen und Madrasas. Die Stadt wird dank ihrer Baukunstwerke seit 1993 zum UNESCO Weltkulturerbe gezählt. Sie hat etwa 235.000 Einwohner und ist eine wichtige Handelsstadt in Zentralasien.

Highlights in Buchara

  • die Ark-Zitadelle
  • die Abdullasiz Khan und die Miri Arab Madrasa
  • der Naqshbandi Komplex
  • die Chor Minor Moschee
Die Kalon Moschee in Buchara
Das Kalyan Minarett in Buchara

Chiwa (Xiva)

Chiwa ist eine Oasenstadt im Nordwesten von Usbekistan und hat rund 55.000 Einwohner. Bemerkenswert an dieser Stadt ist ihre Textilindustrie und die historischen Bauten. 1220 eroberte das Heer von Dschingis Khan und 1388 das von Timur Lenk die Stadt. 1997 feierte Usbekistan dann das 2.500-jährige Bestehen der Stadt Chiwa.

Highlights in Chiwa

  • der Stadtkern Ichon-Kala
  • die Muhammad Rahim Khan Madrasa
  • die Juma Moschee
  • das Mausoleum Pakhlavan Makhmoud
Chiwa
Die Ichon-Kala in Chiwa

Religion und Moscheen in Usbekistan

Etwa 90% der Bevölkerung in Usbekistan sind sunnitische Muslime, während etwa 8% der Bevölkerung zum russisch-orthodoxen Christentum gehören (ein Überbleibsel aus der Zeit der russischen Besetzung). Während der sowjetischen Epoche (1868–1991) mussten Muslime die Ausübung ihres Glaubens stark einschränken: Viele Muslime wurden verhaftet und zahlreiche Moscheen wurden geschlossen.

In Buchara und Samarkand gibt es außerdem schiitische Muslime, sowie landesweit geschätzte 100.000 Juden. Obwohl laut Verfassung Religionsfreiheit garantiert wird, werden einzelne (besonders protestantische) Christen stark benachteiligt. Die eingeschränkte Religionsfreiheit betrifft neben christliche Gemeinden auch schiitische Muslime. Im zentralasiatischen Volksislam, der auch in Usbekistan  ausgeübt wird, finden sich bis heute Einflüsse aus dem Zoroastrismus und Buddhismus. 

Vor einer Moschee
Das Ulugh Beg Denkmal

 

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