Pilgern auf dem Jakobsweg – Etappe 9, 10 & 11

Unter dem Motto: Mitten drin sein.

Etappe 9

Mansilla de las Mulas – León (18 Kilometer)

Good to know 

  • hauptsächlich flach, etwas hügelig gegen Ende
  • mindestens 2 Wasserbrunnen mit Trinkwasser liegen auf dem Weg

Unsere Erfahrung

Wir sind auf dem Jakobsweg angekommen. Zum ersten Mal seit einer Woche habe ich das Gefühl, wirklich gehen zu wollen. Ich möchte nicht nur irgendwo ankommen und meine Herberge beziehen, ich möchte wandern, möchte mich mit Menschen unterhalten, möchte mich meinen Gedanken aussetzen. Die Unannehmlichkeiten der ersten Woche – wie Muskelkater in den Füßen – sind auf einmal wie weggeblasen und plötzlich zählt der Weg, wie er ist. Wir sind auf dem Jakobsweg angekommen und nehmen ihn nun völlig anders wahr. Aber wie nehme ich ihn jetzt wahr?

Der Weg nach León führt durch mehrere kleine Dörfer. Und plötzlich steht man auf einem Hügel und erblickt vor sich im Tal die Kathedrale der Stadt. Ein umwerfender Anblick, den ich so schnell nicht mehr vergessen werde. Denn nicht nur wirkt so eine große Stadt nach einer Woche auf dem Land wie eine Metropole mit gigantischen Ausmaßen, auch wird einem bewußt, wie die Pilgerreise nach Santiago de Compostela für die früheren Pilger gewesen sein muss: Die Kathedrale von oben zu erblicken, muss einfach ein umwerfendes Gefühl gewesen sein.

Übernachten in León

  • Empfehlung Hostel: Hostel Globetrotter (13€)
  • León ist eine sehr große Stadt
auf dem Weg nach León
ein Fluss auf dem Weg

Etappe 10

León – San Martín del Camino (26 Kilometer)

Good to know 

  • sehr flach, sehr angenehme Strecke
  • mindestens 2 Wasserbrunnen mit Trinkwasser liegen auf dem Weg

Unsere Erfahrung

Spontan entscheiden wir uns dazu, doch schon weiter nach San Martín del Camino zu laufen. Das schöne auf dem Jakobsweg ist, dass man sich jederzeit umentscheiden kann. Von den bisher 10 vergangenen Tagen ist heute auf jeden Fall der entspannteste. Kaum merken wir die 26 Kilometer, die wir heute zurück gelegt haben und als wir rumfragen, geht es anderen genau so. Wieder einmal kann ich nur feststellen, dass jeder Tag seine eigene Dynamik hat und kein Tag vorher planbar ist. Jeder Tag entscheidet sich erst Stück für Stück. Und Änderungen sind völlig in Ordnung.

Was mir auf diesem Streckenabschnitt, der aus der Großstadt León herausführt, besonders auffällt, sind die wunderbaren Gesten, die den Pilgern auf dem Weg entgegengebracht werden. Da ist ein kleiner Stand, der frisch gepressten Orangensaft, Kaffee, Tee, Schokolade, Bananen und Müsliriegel anbietet und kein Geld dafür verlangt. Die älteren Herrschaften, die in ihrem Garten Zwetschgen und Birnen gepflückt haben und körbeweise Obst vor ihre Haustür stellen, damit sich die Pilger bedienen können. Und nicht zuletzt 3 Freiwillige am Eingang von León, die Straßenpläne verteilen und einem Mut zusprechen.

Übernachten in San Martín del Camino

  • Empfehlung Herberge: Albergue municipal de San Martín del Camino (5€)
  • in San Martín del Camino gibt es einen kleinen Supermarkt, der allerdings recht teuer ist
León von oben
die Kathedrale von León

Etappe 11

San Martín del Camino – Astorga (23 Kilometer)

Good to know 

  • hauptsächlich flach, gegen Ende etwas hügelig
  • mindestens 2 Wasserbrunnen mit Trinkwasser liegen auf dem Weg

Unsere Erfahrung

Die Etappe heute ist anstrengender als gedacht, denn heute ist der heißteste Tag des Monats September in Spanien. Heute ist der letzte Tag, an dem es nur geradeaus geht, denn ab morgen werden sich die Berge in unser Landschaftsbild fügen. Bisher waren unsere Wege so gerade und so flach, dass es einem fast unwirklich vorkommen konnte. Und ich weiß, dass ich diese Weiten und die gelben Felder vermissen werde. Noch mehr bin ich aber auf das gespannt, was noch kommt. Besonders das spanische Galizien soll sehr schön sein und seinen ganz eigenen Reiz haben.

Wie sehen eigentlich unsere Nachmittage hier aus? Meistens kommen wir zwischen 12 und 14 Uhr in unserer Herberge für die Nacht an, je nachdem, wie viel wir tagsüber gelaufen sind. Wir stellen unsere Schuhe in einem dafür vorgesehenen Raum ab, suchen uns ein Bett aus und bereiten alles für den Abend und den nächsten Morgen vor (Sachen rauslegen, Schlafsack auspacken, Rucksack sortieren). Danach dehnt und entspannt man sich, schreibt Tagebuch, quatscht mit anderen, macht eine Siesta, kocht oder legt sich in einen der vielen Parks, um etwas Sonne zu tanken.

Übernachten in Astorga

  • Empfehlung Herberge: Albergue de Peregrinos Siervas de María (5€)
  • Astorga ist eine recht große Stadt mit vielen kulturellen Angeboten
auf dem Weg nach Astorga
im Park

 

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